wenke.net
  Unter uns ...

Im Arbeitsleben, in den Berufen, "geschäftlich" hat man es uns abgewöhnt, zu philosophieren, über das Grundsätzliche und Wichtige nachzudenken. Oder, wie ich es lieber formuliere: vorzudenken. Statt dessen sollen wir funktionieren. Das Problem ist nur, schließlich sind wir alle Menschen. Und die sind keineswegs beliebig wie eine Maschine programmierbar. Was zu Konflikten führt, wenn man nicht bereit ist, dem Menschlichen und Natürlichen Rechnung zu tragen..
  Die Farben der Gedanken
— die komplette Sammlung der Aphorismen;
zum Ausdrucken und Angucken.
  Home Email  E D I T O R I A L  
 «Die Farben der Gedanken»  Aphorismen, Reflexionen, mentale Stolpersteine
  Wenn jemand erkannt hat,
wie sinnlos der Wettlauf
im Hamsterrad der Karriere
und des Konsums ist
und daher zum Aussteigen
bereit ist,
wenn man zu müde ist,
sich für andere und Fremdbestimmtes
zu verschleißen –
dann nennt man das heute
„Burnout“,
und statt es als Vernunft zu würdigen,
wird die Person als ,unbrauchbar‘
ausgemustert, abgeschoben, zur Seite gestellt.
Konsum, Kapitalismus, Leistungsgesellschaft –
wer sich verweigert,
gilt als Versager.
So gnadenlos
ist keine andere Religion.
 Background / Kommentar  Im wahrsten Sinne des Wortes pervers

 


Die Rheinische Post berichtet am 26. 9. 11 (wie viele andere Medien auch immer wieder und immer häufiger) über dieses Phönomen. Und legt in der Überschrift, wahrscheinlich unfreiwillig, die ganze Perversion (=Verdrehung, Umkehrung, etwas Gegenteiliges tun) des Systems dar. Einerseits klingt sie nach "Wir ergreifen Maßnahmen, damit es keinen treffen muss", doch der Text berichtet von etwas ganz anderem. Kein einziges Wort darüber, dass Arbeits- und Leistungsbedingungen geändert werden. Dass die Arbeit so organisiert wird, dass sie zu bewältigen ist und zum Schluss Freude macht. Statt dessen ausschließlich Berichte darüber, mit welchen Mitteln und Methoden Arbeitnehmer "ertüchtigt", sozusagen "noch verwendungsfähig" gemacht und gehalten werden können. Einer der angeblich probaten Mittel, von denen der Report berichtet, sei Yoga – natürlich im Schnellkurs ganz effizient zu erlernen. Nur, um die Perversion wirklich deutlich zu machen: Yoga braucht als Voraussetzung genau das, was kein Job derzeit bietet, nämlich Selbstbestimmung. Sonst kann es nicht wirken. Doch wir Europäer sind ja inzwischen so dumm und dämlich, massenhaft zu glauben, wo "Asien" draufstände, wäre die Weisheit und Gelassenheit drin. Der nächste Clou wäre Essen aus dem Wok gegen die Magengeschwüre der Manager ...

Von der Einsicht, dass das (Arbeits-) System als solches und nicht der Mensch die Ursache des "Massenleidens" Burnout sein könnte, weit und breit keine Spur. Menschen werden – wie in vielen anderen Bereichen des Normallebens heute auch – zu willkürlich benutz- und formbaren Zombies degradiert. Interessant, dass es vor allem, so die Statistik, noch mehr Wissenschafter als Manager trifft – eigentlich doch Berufe, bei denen Geist und Intelligenz die unabdingbare Grundlage sein müsste. Aber vielleicht ist dies genau der entscheidende Hinweis darauf: Wer klaren Verstandes ist, kann dieses System, das sich Kapitalismus nennt, nicht mehr aushalten. Am wenigsten leiden unter Burnout nämlich Hilfsarbeiter; ohne einzelnen Menschen zu nahe zu treten, sicherlich eine Qualifikationsstufe, die nicht unbedingt kritischen Geist erfordert.

Um es krass zu formulieren: Wahrscheinlich ist die heutige Arbeits-, Berufs- und Business-Mentalität nur noch zu ertragen, wenn man stumpfsinnig ist.
Oder ziehen Sie andere Schlüsse ???

Google

(oder anderen Suchbegriff eingeben)
World Wide Web
http://wenke.net