
« Literatur ist auch nur ganz normaler Ramsch »
Wien, die Burg, das Buch
Man hat den Eindruck, Literatur sei nur noch etwas für Hardcore-Esoteriker vom Schlage des weltvergessenen Bildungsbürgertums. Wenn immer mehr Menschen Literatur und Gedrucktes langweilig, miefig, spießig, uncool, total out finden, dann auch deshalb, weil die Verlags- und Literaturwelt verdammt viel tut, um sich genau dieses Schmuddel-Image in der Ecke der Trostlosigkeit zuzulegen.
24 Stunden Literatur. Am Burgtheater Wien, zufällig gegenüber dem Spaß-und-Laune-Zelt vom Zirkus Roncalli, schlug die Literatur wortwörtlich ihre Zelte auf und wollte dem Volk ganz nahe sein. Doch was zur kulturell hochwertigen Ehrenrettung gedacht war, wurde eher zum miese-müden Ramschladen, denn so wie sich dort Buch und Lesekultur präsentierte, muss es einem wirklich angst und bange sein um ein Genre, das sich selbst wohl mit Unlust und anschaubar schlechter Laune das Grab der Langeweile schaufelt. BP-Autor Hans-Georg Wenke berichtet aus Wien.